PNY Tagesbericht - 08-13. Januar 2010

BlueGerbil | 13. Januar 2010 13:11

08.01.2010: 78. Kurzmeldung (22:26 Uhr MEZ)

9 Uhr. Blizzard ist vorbei. 1,5 m Schneeverwehungen rund um die Autos. Genial wo wir gestern Nacht ohne Sicht durchmanövriert sind. Die Naturgötter, denen wir vor unserer Abfahrt in einer traditionellen Zeremonie mit unseren tschuktschischen Freunden Opfer in Form von Zigaretten und Wodka darbrachten, waren bei uns und schützten uns.

Gestern Abend dann noch eine sehr schöne Geste. Wowa, einer der Tschuktschen, schenkte mir sein Messer. Das ist eine sehr hohe Geste. Es ist selbstgemacht aus Horn von Rentieren. Die Klinge ist aus einem selbstgeschmiedeten Sägeblatt, der Schaft aus Rentierleder und Fell. Ich schenkte ihm im Gegenzug meines und bedankte mich geehrt.

09.01.2010: 79. Kurzmeldung (05:21 Uhr MEZ)

10 Uhr. Unsere beiden tschuktschischen Freunde haben abgedreht und fahren nach Konergina zurück. Haben jetzt das Delta verlassen. Versuchen Weg über eine Hochebende zur Vestichotstrecke nach Enmelem zu finden. Vor uns drei Seen, die gequert werden müssen. Schon der Erste hat zu dünnes Eis. Als ich vorlief um zu testen riss es bereits. Müssen Umfahrung suchen.

14 Uhr. Druckleitung wieder defekt.

16 Uhr. Druckleitung wieder so gut es irgend ging repariert. Brechen in 30 min wieder auf. Jefgeny hat zwischenzeitlich den Weg um den ersten See gescoutet.

09.01.2010: 80. Kurzmeldung (11:33 Uhr MEZ)

22:30 Uhr. Haben Seenumfahrung gefunden. Danach Flussquerung, die schwierig war. Haben lange das Eis prüfen müssen um guten Weg zu finden. Beide Autos zusammengebunden um zu sichern. Aber alles gut gegangen. Sind noch rund 40km von Enmelem entfernt. Es geht jetzt über heftige Buckelfelder, die uns Nerven kosten, da wir wie auf hoher See hin und her schwanken und mit nur sehr geringen Geschwindigkeiten fahren können.

Aktuelle Position: N 65 18‘139“ / W 175 48‘489“
Alles okay.

09.01.2010: 81. Kurzmeldung (13:03 Uhr MEZ)

23:45 Uhr. Stehen vor sehr breitem Flussdelta mit drei Hauptarmen. Haben Überquerung versucht. F1 jedoch eingebrochen. Konnten aus eigener Kraft zurückkommen. Haben danach für heute abgebrochen und werden bei N 65 16‘891“ / W 175 48‘000“ übernachten. Morgen früh neuer Versuch.

Alles okay.

10.01.2010: 82. Kurzmeldung (01:05 Uhr MEZ)

12 Uhr. Schlechte Nacht gehabt. Übelster Sturm, der befürchten ließ einen Trailer oder ein Auto umzuwerfen, so heftig waren die Böen. Hatten uns entschlossen den Schlafplatz nochmals zu wechseln und einen sichereren Ort außerhalb des Deltas zu wählen.
Dann heute Morgen Traumwetter mit Sonne pur. Einer der wettertechnisch schönsten Tage der ganzen Reise bisher. Haben dann Weg über breites Flussdelta gefunden. Eis war zwar nicht überall komplett gefroren, hat die Fahrzeuge aber getragen. Sehr gutes Gefühl. Sind aktuell weiter auf Kurs Enmelem. Noch 30km.

10.01.2010: 83. Kurzmeldung (03:06 Uhr MEZ)

14 Uhr. Haben eben erste Tankaktion ohne totale Vermummung, Stirnlampe, dicken Handschuhen und abgestorbenen Fingern, durchgeführt. Traumwetter.
Man konnte sogar auf die Trailer klettern ohne sich festzubinden/festzuhalten wegen der Gefahr durch eine Windböe runter zu stürzen.

10.01.2010: 84. Kurzmeldung (05:08 Uhr MEZ)

16 Uhr. Haben soeben letztes breites Flussdelta vor Enmelem gequert!!!!!!!! Wurden erwartet. Ein Abgesandter aus Enmelem erwartete uns auf der Enmelem zugewandten Flussseite. Es war ein herzliches Willkommen. Er sagte dass alles sehr froh sind uns zu sehen. Wir sind die Ersten, die die Flussquerung, an der wir gestern Nacht scheiterten und die wir heute Morgen schafften, in diesem Jahr überhaupt schafften!! Sehr geil. Das Anstoßen mit Wodka war obligatorisch.
Nun noch ein Pass und 10km dann sind wir in Enmelem. Team ist sehr stolz. Ich bin es auch. Ein super Team. Ausgezeichneter Zusammenhalt und gegenseitiger Respekt und Unterstützung. Klasse!

10.01.2010: 85. Kurzmeldung (05:37 Uhr MEZ)

Ohne Spikes fast keine Chance. Was die Dinger uns schon geholfen haben - genial. Mal abgesehen von Flüssen und Seen, die du zu Fuß kaum querst, haben die Spikes heute nochmals sehr sehr Geniales geleistet. Nach der Querung des letzten Flussdeltas und vor dem Pass mussten wir soeben einen in einen Hang geschlagenen, schräg abfallenden und mit Eis bedeckten Track befahren. Ohne Spikes keine Chance! So fügt sich immer wieder ein Puzzleteil zum anderen.

17 Uhr. Wir sind in Enmelem!!!

12.01.2010:

Nachdem wir “gerade” (ausgestreckt) in der Schule geschlafen hatten, überraschten uns am Morgen des 11. rund 60 Kinder, die uns sehen wollten. Für uns wurden sogar extra ein eiligst angesetztes Konzert und eine Tanzvorführung gegeben. Toll. Die Schulleitung, die Lehrer, die Kinder, die Administration, der Border Guard, die Mechaniker, die Helfer, etc. Einfach ein tolles Dorf.
Und wieder muss ich betonen, dass es in meinen Augen und nach meiner Erfahrung kein anderes Land auf der Erde gibt, das ich bereiste, wo derart viel Freundschaftsgedanke, Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft existieren wie in Russland. Ich werde nicht müde werden, das zu loben und Anderen näher zu bringen.

Der Rest des Tages, die ganze Nacht bis 4 Uhr am Morgen und der heutige 12. waren dann ausschließlich der Reparatur der Fahrzeuge gewidmet. Jetzt endlich läuft F1 mit spezialangefertigter “Ural” (russischer Truck) Servoleitung. Das Ding ist zwar 4x größer als das Original und wir müssen den Motor höher drehen um zu lenken, aber es war die einzige Chance, die wir hatten nachdem uns das Sch*** Ding x-mal um die Ohren flog und zwar aus den verschiedensten Gründen. Alle Versuche ohne Schweißgerät schlugen mehr oder weniger fehl und waren nur von kurzer Haltedauer. Jetzt klappt es hoffentlich, nachdem Alexey, der Superschweißer, in stundenlanger Kleinstarbeit Jeep auf Uralgröße schweißte. Ein Kunststück bei Jeepleitungen mit 1 mm Wandstärke.

Heute Abend ruhen wir nun noch aus und brechen morgen früh auf um weiter Richtung Providenia zu fahren. Schwierige Flussetappen erwarten uns

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