PNY Tagesbericht 12.-13. April 2010
BlueGerbil | 13. April 2010 13:4512.04.2010: 186. Kurzmeldung (06:41 Uhr MEZ)Warten, warten, warten. Zum Warten verdammt.
Haben derzeit extrem schlechtes Wetter.
Es stürmt und schneit draußen seit Tagen als ob Frau Holle stinksauer ist und ein Tief jagt das Andere. Mittlerweile meterhohe Verwehungen an den Häusern und zwischen den Containern, die hier überall stehen. Die Temperaturen sind zwischenzeitlich auf um null Grad gestiegen, alles ist nass.
Die Autos sind zwar bis auf die Montage der Pontons und Hydraulik fertig, an Aufbruch ist aber nicht zu denken. Keiner kommt rein oder raus, hin oder weg. Die Stürme haben Tschukotka fest im Griff. Noch nicht mal die russischen Vestichots (Kettenfahrzeuge) fahren.
Mittlerweile können auch die beiden Wassertrucks, die Uelen aus einer rund vier Kilometer entfernten Quelle mit frischem Trinkwasser versorgen, wegen des meterhohen Schnees nicht mehr zu dieser vordringen. Gestern wurde daraufhin das Brauchwasser (Wasserhahn Küche, Heizung, etc.) auf Salzwasser umgestellt. Die Trucks können nun nur noch einige hundert Meter auf die gefrorene Lagune rausfahren und holen durch ein Bohrloch Salzwasser für das Heizkraftwerk.
Die Tage der hier wartenden - mittlerweile dezimierten - kleinen Mannschaft sind geprägt von Disziplin. Sie ist das oberste Gebot und sichert uns ab. Rudi und ich halten uns mit eiserner Strenge daran, als Garant um trotz aller Eindrücke hier durchzuhalten. Das ändert aber nicht, dass um uns herum Dinge passieren, die wir nicht beeinflussen können. So haben wir uns mittlerweile wieder von einem Teammitglied trennen müssen. Wenn ich eines Tages das Buch schreiben werde, kann ich vielleicht noch besser erzählen was sich zutrug, was uns wiederfuhr, was belastete, welche Härten wir hier sahen und erlebten, wie sich scheinbar fügte was sich fügen soll - oder eben auch nicht.
12.04.2010: 187. Kurzmeldung (12:15 Uhr MEZ)
Durch den starken Südsturm ist das Eis von der Küste Uelens und rund um das Cap nach dem Bruch nun ca. 1-2 km abgetrieben worden. Bedrohlich liegt es “vor Anker”, scheint uns zu beobachten wie wir es. Dreht der Wind und kommt aus Nord, ist die Rinne binnen Stunden wieder zu.
In der Rinne tummeln sich derzeit hunderte von Möwen und Enten. Keine Ahnung wo sich die alle versteckt hatten, denn gesehen haben wir außer Hunden und erlegten Seehunden hier die ganze Zeit nur ein paar Raben.
13.04.2010: 188. Kurzmeldung (12:03 Uhr MEZ)
Gestern Abend war für einen ganz kurzen Moment Ruhe im Sturm.
Als gegen 20 Uhr der Wind fast schlagartig nachließ, die Wolken aufrissen, das Restlicht des Tages die Wasserrinne beleuchtete, war es täuschend angenehm. Das Wasser plätscherte, die Enten und Möwen schwammen. In der Nacht und heute Morgen dann wieder peitschender, eiskalter Nordwind. Die Rinne gibt es nicht mehr. Alles Eis. Das Wasser mit rund 35 Gramm Salz pro Liter fror in 12 Stunden wieder zu. Eis aus dem Norden drückt gewaltig nach.
An der Stelle wo gestern noch die Abrisskante war, saßen heute Morgen ca. zehn Jäger mit Gewehren im Anschlag und warteten darauf dass ein Seehund seine Nase durch ein Atemloch bzw. das berstende Eis nach draußen streckt. Volle Deckung bitte.
Categories: Extrem Events

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